Dienstag, 24. August 2010

Vergessen, auf allen Ebenen...

Heute waren wir zum dritten Mal innerhalb von drei Tagen schwimmen, und zum dritten Mal habe ich meine (vor einem halben Jahr in Genf gekaufte) Schwimmbrille vergessen.

Man kann auch umfassendere Sachverhalte vergessen: Dass daheim jemand die Pflanzen gießen muss, dass überhaupt ein Daheim existiert, welcher Tag ist, welche Karten man grad auf der Hand hat und dass man bald wieder fahren muss... (Die Pflanzen wurden gegossen, Daheim existiert tatsächlich, es ist leider schon Dienstag früh, ich hatte zwei Sechser und habe trotzdem gegen Edward mit seinen zwei Zehnern verloren und dass ich fahren muss wird mir mit jeder Minute mehr bewusst und wird mit jeder Minute weiter verdrängt.)

Ich kann ein paar weitere Häkchen machen: Pokern - sogar zwei Mal -, und morgen früh dann auch das Frühstücken im Home St. Pierre. Ich weiß gar nicht mehr, was wir am Sonntag gemacht haben, außer Essen, Pokern und Schwimmen. Heute war es ganz ähnlich, nur dass Maurits und ich in Frankreich einkaufen waren, um auch Essen machen zu können. (Ohhh, es ist spät und irgendwie geht es mit dem Stil grad rapide bergab.) Zu diesem Zweck haben wir gratis ein Rad gemietet, was ein Widerspruch in sich ist, aber es stimmt: In Genf kann man im Sommer gratis Räder mieten. Man hinterlegt 20 CHF und zeigt kurz seinen Perso, dann kann man 4 Stunden lang rumgurken. Ich weiß nicht, ob Genf auf diese Weise tatsächlich so viele Touristen anlocken kann, damit es sich auch lohnt (bei geschätzt einem platten Reifen auf 20 Fahrten), aber es ist phantastisch. Der Sattel ließ sich zwar nicht hoch genug für meine l-a-a-a-a-a-ngen Beine stellen, aber dafür war es gratis und überhaupt... ja... Radfahren macht halt Spaß :) In Frankreich, genauer Annemasse, sind wir dann eine gute Stunde im gar nicht so großen Leclerc rumgelaufen, haben uns einmal verloren und sind mit reicher Beute heimgekehrt (unter anderem kiloweise Fleisch, einem Wischmopp und einem unerwarteten Mitbringsel meinerseits). Weil wir solche Pussys sind und uns nach dem bisschen Radeln warm war, sind wir noch kurz schwimmen gegangen und haben uns danach ans Kochen gemacht... Maurits hat die Hälfte des Fleischs in den Ofen geschoben und ich habe Cookies gebacken *hrhr*

Außerdem hat mich die Katze gekratzt, als sie vom Regal gesprungen ist. Ich wollte sie nur auffangen :(

Sonntag, 22. August 2010

Puzzle

Es ist wie ein Puzzle. Man steigt aus dem Zug und alles sieht so aus und fühlt sich so an wie man es zurückgelassen hat. (Natürlich, warum sollten die Genfer den Hauptbahnhof auch umgestalten wollen? Es sieht ja nicht so schrecklich aus wie in Basel.) In dem halben Jahr das ich hier verbracht habe, ist aus Genf und allem darin und darum ein Puzzle geworden; jede Straßenecke und jeder Mensch ist zu einem Steinchen geworden - ich auch. Und mit der Rückkehr passt sich das Susanne-Steinchen ein und wird wieder zu einem Teil des Ganzen. Wege werden zurückgelegt und Gespräche werden geführt, als ob man nur wenige Tage nicht da gewesen wäre.

Trotzdem habe ich mich im Zug angestarrt gefühlt!!! War also nichts mit Puzzlesteinchen. Liegt es an meiner "deutschen" (??!) Kleidung, an meinen blonden Haaren, an Schokolade um meine Mundwinkel (Scherz) oder bin ich einfach nur paranoid? Nun ja. Die Zugfahrt war nicht sehr spektakulär. Ich hab mein Buch beendet und meine Brote gegessen, meine SIM-Karten getauscht und dann gleich mal 5 CHF für Internet verzockt, weil ich nicht wusste, wie teuer es ist. Gott sei Dank habe ich Prepaid. Das bestätigt mich wieder in meiner Ansicht, dass Internet vom Handy aus in jedem Falle überteuert und -flüssig ist. Denn Mails kann ich auch vom Notebook aus checken.

In Genf angekommen hab ich erstmal meinen Kram zu Edward geschafft und dann sind wir an den Baby Plage ("Babystrand") gegangen, wo wir Maurits und seinen Mitbewohner Alessandro zum Baden getroffen haben. Sehr schön... ich kann also schon einen Haken hinter "im Genfer See baden" machen. Jetzt fehlt noch einer hinter "Pokern", "im Starbucks einen Frappuccino trinken" und "im Home St. Pierre frühstücken".

Einschub: Ich bleibe wegen interner Probleme, die ich jetzt nicht weiter ausführen werde, nur vier Tage hier.

Ich logiere hier übrigens auf dem Sofa in Maurits' neuer WG, die er zusammen mit dem eben schon genannten Alessandro und einer Katze bewohnt. Die Katze trägt den charmanten Namen "Crise Cardiaque", zu Deutsch "Herzanfall". Grund für diesen morbiden Namen ist der Mord an ihrem Bruder, der allerdings nicht an einem Herzanfall gestorben ist (klar, sonst wäre es kein Mord). Ursprünglich waren sie hier nämlich zu zweit. Diese Wohnung liegt im 4. Stock und hat zwei Balkone, und eines Tages hat die bis zu diesem Tag noch namenlose Katze ihren Bruder so erschreckt oder in den Wahnsinn getrieben, dass er vom Balkon gefallen / gesprungen ist :( Und nun ist sie die alleinige Herrscherin über die (sehr schöne und mit einer beneidenswerten katalogartigen IKEA-Küche ausgestattete) Wohnung.


Küchenbeweisfotos.


Ihr Lieblingsplatz ist auf dem Bücherregal, ganz oben unter der Decke.

Eigentlich wollte ich es als Suchbild gestalten, aber mein Hinweis auf den Aufenthaltsort versaut es.


Oder auf dem Fußteil des Poäng-Sessels. Da liegt sie grad eben und sieht mich aus halbgeschlossenen Augen an, Augen die zweifelsfrei so etwas im Stile von "Ja ja, und ihr wollt heute noch umziehen und schwimmen gehen? Und nun sitzt ihr an euren Notebooks" sagen. Aber jetzt packt Maurits sein Notebook ein - das Zeichen zum Aufbruch.

Edward und Katze...


... Maurits und Katze und IKEA-Maus...


... verwunderte Katze und iPhone.

Und was hat es mit dem Bild auf sich? Auf dem iPhone hab ich eine App, die Katzenmiauen abspielt. Ist natürlich total sinnlos und Alekto und Guybrush waren nicht im Geringsten interessiert, aber Crise Cardiaque ist nicht schlau draus geworden und fällt jedes Mal aufs Neue drauf rein.

Mittwoch, 18. August 2010

Entscheidungen und Verhältnisse ändern sich.

Nachdem ich mein Zugticket für ein paar Tage Urlaub in Genf gekauft hatte, habe ich ein paar Sekunden überlegt, ob ich meinen Blog ein bisschen weiterführen sollte – und habe mich dagegen entschieden, da dieser Urlaub nicht mehr zum „Traum in Genf“ gehört, sondern eher eine Art Revival ist, also kalter Kaffee. Und den wärmt man nicht mehr auf. (Das mal zu den geänderten Entscheidungen, die Ansichten kommen später.)

Wie der geneigte Leser vielleicht schon bemerkt hat, ist dem nicht so. Eben habe ich die Mikrowelle angeworfen um den kalten, abgestandenen Kaffee nochmal zu erhitzen, und das nur wegen eines aufgebrachten, ungewollten Zuggastes. Man stelle sich folgendes Gespräch im Geiste vor, F(ahrgast) spricht Sächsisch und ist sehr aufgebracht (auch gut durch die Nutzung von Ausrufe- und Fragezeichen zu sehen), Z(ugbegleiter) ist so ruhig, dass man ihn fast nicht hören kann. Der Gast hat seine Tochter / Schwester / weibliche Begleitung zum Zug gebracht und steht im Abteil. Merke: Es ist der erste Waggon, der allererste auf dem Bahnsteig, 2. Klasse (mit verbessertem Handyempfang).

F: Wo ist denn hier der Ausgang? *Gemurmel* Ich muss raus!
Z: Der Zug fährt schon.
F: Aber ich muss raus!
Z: Sie sehen, der Zug fährt.
F: Aber ich muss raus, das ist doch nicht meine Schuld, ich bin am anderen Ende des Zuges (= ganz ganz weit draußen auf dem Bahnsteig) eingestiegen, weil der Zug falschrum reingefahren ist (= Wagen verkehren in umgekehrter Reihenfolge). Und deshalb konnte ich nicht aussteigen.

Oder halt, vielleicht irre ich mich auch – es könnte sein, dass der Fernzug nach Frankfurt, der immer auf Gleis 10 abfährt (und das habe ich schon beim zweiten Mal gemerkt) heute angeblich nicht auf Gleis 10 abfuhr, sondern auf Gleis 21, woraufhin der Mann beim Bemerken dieses folgenschweren Irrtums auf Gleis 8 rannte. So etwas in der Art habe ich auch gehört. Tatsache ist jedoch: angry man is trapped in train.

F: Halten Sie an!! Ich will jetzt aussteigen!!!
Z: Unser nächster Halt ist in Weimar.
F: Ich kann aber nicht bis Weimar fahren, ich muss arbeiten!!!! Bei Mercedes Benz!!!!!!
Z: Wir können auch nichts für Sie tun, Sie müssen in Weimar aussteigen.
F: Das geht nicht, ich hab um 9 Uhr ein Auto*brabbelbrabbel-wahrscheinlich-verkaufs*gespräch!!!!
Z: ...
F: Ich drück jetzt hier auf die Notbremse!!! Halten Sie den Zug an!!!! Ich kann von hier aus auch ein Taxi nehmen und komme rechtzeitig zur Arbeit, aber ich fahre nicht bis Weimar!!!!

Intervention einiger Zuggäste: Aber andere Leute müssen ihre Anschlusszüge bekommen. Fair enough. Ich auch.

F: So geht das nicht, ich muss hier raus, ich muss arbeiten. Ich drück jetzt auf die Notbremse!!!!
Z: ...
F: Ich drück jetzt hier drauf!!!!!!!!!!
Z: Das ist der Türöffner.

That’s when I lost it. Ab diesem Punkt habe ich nicht mehr breit gegen das Rückenteil des Sessels vor mir gegrinst, sondern verhalten losgelacht und mein Grinsegesicht dem Fahrgast rechts von mir zugedreht, der dieser Unterhaltung auch gefolgt ist – wie sowieso das gesamte Abteil. Herr Ich-bin-ein-verdammt-hohes-Tier-bei-Mercedes-Benz-und-deshalb-unverzichtbar-beim-Autoeinkauf hatte im Laufe des Gesprächs seine Stimme noch weiter erhoben. Es ging noch ein paar Takte weiter, bevor Zugbegleiter, ungewollter Fahrgast und seine weibliche, ca. 16jährige, wie auch immer verwandtschaftlich oder beziehungstechnisch geartet an ihn gebundene, heulende Begleitung zur Mitte des Zuges vordrangen. Alsbald hörte man aus den Lautsprechern nicht nur „Sehr geehrte Fahrgäste, in Wagen XYZ finden Sie heute unser Bordbistro“, sondern auch „Sollte sich ein Beamter der Bundespolizei im Zug befinden, bitte kommen Sie in Wagen 23. Ihre Hilfe wird dort benötigt“. Er scheint sich noch mit Händen und Füßen gegen das Weiterfahren des Zuges gewehrt zu haben.

Und doch – wir fahren weiter. Mercedes Benz ist also doch nicht der Schlüssel zum Erfolg und berechtigt die sich damit schmückende Person nicht zur Benutzung der Notbremse (oder des Türöffners bei voller Fahrt) und Kopfbahnhöfe können für grausame Schicksale verantwortlich sein.

Ein kleiner Wermutstropfen ist bei dieser Zugfahrt – und eventuell noch länger – dabei: Es riecht nach Katzenpipi. Es hat schon heute Morgen in meinem Zimmer danach gerochen, obwohl ich gestern Abend nach Beginn der Nachtruhe noch gesaugt und gewischt habe. Meine Vermutung war, dass die Miezen unbemerkt auf meine Bettwäsche gepinkelt haben, weshalb ich sie dann vorhin noch abgezogen und in Richtung Waschmaschine getragen habe. Aber jetzt riecht es immer noch danach... Vielleicht ist es auch einfach meine Einbildung (oder ich habe meine Tasche nach der letzten Attacke nicht gründlich genug gesäubert). Manchmal nerven die Viecher wirklich.

Nun zu den geänderten (Größen-)Verhältnissen. Hat auch mit Viechern aka. Katzen zu tun. Nach meiner Ankunft im trauten Heim meiner Eltern habe ich meinen Rucksack nach oben gebracht, mir einen Rest Mittagessen in der Mikrowelle aufgewärmt (diese Wiederholung des Wortspiels von oben ist ungewollt - den vorigen Teil hab ich im Zug geschrieben, der hier stammt aus der Zeit auf meinem Sofa) und dann kam unser Kater Mikesch nachhause. Wobei - ich darf mich langsam nicht mehr als Teil dieses "unser" fühlen oder dazu zählen, da ich mittlerweile lange genug ausgezogen bin und außerdem selbst von einer bzw. zwei Katzen besessen werde. ("Katzenbesitzer" ist ein Oxymoron.) Wie gesagt, er kam nachhause und setzte sich zum Fressen an einen vollen Napf. Mir fielen fast die Augen aus dem Kopf. War dieses Tier schon IMMER so breit, lang, tief (= groß und fett)??!!!!! Mit einem monstermäßig riesigen Kopf vorne dran!!!!!! Diese so unerwartete Überraschung hat sich bei mir in einem minutenlangen Lachanfall geäußert. Denn natürlich sah er schon immer aus - das sage ich jetzt so, ich glaube es eigentlich immer noch nicht -, aber wenn man die letzten paar Wochen zusammen mit zwei im Vergleich zu ihm winzigen Kätzchen gelebt hat, die man mit einer Hand anheben kann und die beim Streicheln keinerlei Widerstand bieten, dann wird der Ist-Zustand zur Normalität, sprich: Alle Katzen sind von Haus aus klein und zart, egal ob sie Babys oder ausgewachsen sind. Und wenn einem dann so ein Brummer über den Weg läuft, von dem man glaubte, dass man ihn Zeit seines Lebens so kannte und der immer normalgewichtig und für eine Katze durchschnittlich groß war, dann ist das ein Fall aus allen Wolken.

Freitag, 5. März 2010

Leipzig hat mich wieder

Yay!!! Ich bin wieder daheim. Und es war alles andere als langweilig oder unspektakulär.

Nachdem spät abends am Sonntag noch Vronis Nachmieterin eingezogen ist (nette Deutsch-Schweizerin, aber Raucherin - wird also schon allein deshalb von Vroni um Lä-ä-ä-ä-ängen geschlagen), bin ich am Montagmorgen ganz geplant frühstücken gegangen, da ich mich mit dem halben Wohnheim dazu verabredet hatte. Das letzte Frühstück... (*hust* Nur nicht nostalgisch werden.) Nach diesem wehmütigen Mahl hab ich meinen Krams im Zimmer zusammengesucht, was schon von Rabia und Amparo sauber gemacht wurde, Tasche und Koffer in der Rezeption abgestellt, meine Kaution abgeholt und bin dann rüber zu Edward gegangen, um da die Zeit bis zum Zug zu verbringen. Aus meinen restlichen Champignons, Tomaten und allem was dazu gehört hab ich dann eine ziemlich gute Lasagne gemacht (Käse und Muskat haben wir uns von Fokko geborgt...). Weil das Wetter glücklicherweise sehr gut war, haben wir einen Spaziergang durch Genf unternommen, mein letzter. Runter in die Stadt, etwas am See entlang und dann wieder zurück... und dann musste ich auch schon zum Zug. Chris hat mir freundlicherweise beim Schleppen geholfen, ansonsten hätte ich bestimmt doppelt so lang gebraucht!! Und dann rein in den Zug, nach zwei Stationen auch einen Platz mit Überwachungsblick auf meine Tasche bekommen und ab geht die Post. Nach Norden, nach Deutschland, heim ins schöne Leipzig!!!!

Wie ich bestimmt schon mehrmals erwähnt habe, hab ich eine wahnsinnig gute Zugverbindung zum unschlagbaren Preis von 40 € bekommen, und zwar zuerst eine Regionalbahn nach Basel und von da aus ein City Night Liner direkt nach Leipzig. Da saß ich dann also im Zug nach Basel und mir schräg gegenüber saß ein ca. 2 Jahre altes französisch-schweizer Mädchen, was mit der Dame auf dem Platz gegenüber geschäkert hat (bzw. umgekehrt), ich hab mich auch etwas zum Affen gemacht ^^ Die Dame gegenüber hat dem Mädchen dann eine leere Verpackung mit Packungsbeilage irgendeiner Antifaltencreme gegeben, mit dem sich das Kind mindestens eine Stunde beschäftigt hat: Aufmachen, Zettel rausholen, ein bisschen auffalten, zufalten, versuchen ihn wieder reinzustecken... Es war eine wahre Freude, das Mädchen war wirklich sehr aufgeweckt. Die Mutter hat während der gesamten Zeit eigentlich nur gelesen oder telefoniert.

In Basel angekommen habe ich dann eine gute Stunde auf den Night Liner gewartet, meinen Platz bezogen (auf dem Weg dahin bin ich erstmal in den falschen Waggon eingestiegen und wurde deshalb von einem Berliner etwas verarscht, der mir aber angeboten hat, meine Tasche zu tragen) und weil ich ja so ein vom Glück verfolgter Mensch bin, war genau an diesem Ende des Waggons das Klo nicht nur wegen Frostschaden kaputt und zugesperrt, sondern hat auch noch einen betörenden Duft nach Pisse verströmt. Man hat sich zwar nach ein paar Minuten dran gewöhnt - ich kann ja sowieso nie irgendwas riechen -, ekelhaft war es aber trotzdem, und die Leute, die noch näher am Klo saßen, haben mir wirklich leid getan.

Was mir im Night Liner aufgefallen ist: Alle Leute sind so nett!! Ein Junge, der mit seiner Mutter eingestiegen ist, hat mir eine Tür aufgehalten, der Berliner wollte meine Tasche tragen und der Typ, der den Sitz neben mir hatte, war wirklich ein Netter :) Ein Chemnitzer, der vor ein paar Monaten spontan einen Job in der Schweiz angenommen hat und jetzt da unten wohnt. Mann, der hat ein Glück. Er hat mir eines dieser Deckenpakete mitgebracht, was von der DB ausgegeben wird (schöööööne, dunkelblaue, etwas kratzige, eingeschweißte Wolldecken), war wirklich sympathisch, lustig, hat nicht geschnarcht und seine Beine und Füße auf seiner Seite gelassen. Das hat mich aber nicht davon abgehalten, nicht gut zu schlafen. Ich hatte diese Sleeperettes wirklich bequemer in Erinnerung. Zusätzlich hat das Rad des Waggons in den Kurven immer schrecklich gequietscht und nachts um 1 ist dann noch ein junges amerikanisches Paar eingestiegen, von dem die Frau sich minutenlang beschwert hat: "Honey, it stinks like piss. Just as if I was sitting right in it. Honey, let's change places!!!" - "We can't change places, we reserved them." - "It smells like piss!!"... and so on. Nach ein paar Minuten hab ich dann mal ein genervtes "Ssshhhhhh" vernehmen lassen und sie hat ihre Stimme etwas gedämpft und ich konnte wieder in meinen Halbschlaf zurückdriften.

Morgens wurden wir leider nicht mit Kaffee (oder Tee - ich faste ja Kaffee und halte es wirklich gut durch) geweckt, sondern sind ganz allein aufgewacht. Draußen ging über Sachsen die Sonne auf und ich hab mich wie eine Irre gefreut, gleich aus dem Zug zu hüpfen. Damit Wiebke mich sofort erkennen konnte, hab ich mich in mein Oranje-Trikot geworfen und bin laut johlend rumgesprungen: "Schade, Deutschland, alles ist vorbei!!!" Wiebke hat mich auch erstaunlicherweise sofort erkannt, mich fast umgerannt - oder ich sie? - und wir haben ausführlich Wiedersehen auf Gleis 10 gefeiert, und zwar mit zwei gekochten Eiern. So haben wir am Tag meiner Abfahrt nach Genf vor einem halben Jahr auch den Abschied gefeiert, denn ich hatte noch zwei Eier, die ich nicht verkommen lassen wollte... also hatte ich sie als Proviant mitgenommen und gleich auf dem Bahnsteig vertilgt.

Im Bahnhof habe ich noch den Berliner gesehen und ihm einen wunderschönen Tag gewünscht (mein strahlendes Lächeln hat ihn etwas irritiert, glaube ich) und dann haben wir mit vereinten Kräften mein Gepäck nachhause gebracht. Die Haltestellenansangen in der Tram sind immer noch auf Deutsch, Englisch und dem absolut falsch klingenden Französisch, Leipzig ist ganz das Alte. Bei mir angekommen habe ich schon angefangen mit Auspacken, Wiebke hat währenddessen eine ganze Armada von Frühstücksnahrungsmitteln auf meinem Tisch ausgebreitet - unter anderem auch Porridge, also Haferbrei. Alter Verwalter, DER war gut!!!!! Mit Apfelstückchen und Zimt, einfach nur hmmmmm.

Danach hab ich meine restlichen Sachen ausgeräumt, Ordnung gemacht, meine Gitarre liebevoll in den Arm genommen und dann bei Arcor aka Vodafone angerufen, um meinen Internetanschluss wieder anschalten zu lassen, den ich während des Semesters abbestellt hatte, um Geld zu sparen. Laut dem Telefonator damals müsse man zum Anschalten "nur einen Knopf drücken" [sic], damit ich sofort wieder megabyteweise das heute-journal runterladen kann. Aber nun ist es an der Zeit, mal wieder richtig zu fluchen: Diese verf***ten H***... ja, ja, ich lasse es besser. Die nette Frau am Telefon hat mir - nach 10 Minuten Wartemusik - lächelnd mitgeteilt, dass ich erst ab dem 21.03. Internet haben könne, denn das würde von der Telekom abhängen. WTF!!!!!! DANKESCHÖN, ihr... ihr... Bitte setzen Sie nach Belieben nicht jugendfreie Schimpfworte und/oder Verwünschungen ein. Danke. (Dass sie gelächelt hat, konnte ich hören. So etwas hört man.) Tja. Da hat mich Arcor wohl mal wieder genatzt. Momentan bin ich wechselweise bei Wiebke und Chris und schnorre mir etwas WLAN, nebenher habe ich ein paar Zettel im Haus aufgehängt auf denen ich die Besitzer der Netze X, Y und Z bitte, sich bei mir zu melden, da ich eines dieser Netze gerne anzapfen würde. Bisher hat sich noch niemand gemeldet.

Nach diesem unerfreulichen Gespräch habe ich mich erst einmal für zwei Stunden schlafen gelegt.

Diese zwei Stunden wurden wenige Minuten, bevor mein Wecker sowieso geklingelt hätte, von einem Anruf des (Leipziger Schlangen-und-Spinnen-)Chris abgebrochen, mit dem ich ein paar Minuten telefoniert habe, bevor ich dann mit Wiebke in die Stadt gefahren bin, um tonnenweise Fisch, Gemüse, Wasabi und Algenblätter zu kaufen, mit denen wir dann abends zusammen mit Stefan, Stefanie und Chris Sushi gemacht haben. Das Sushi war wie erwartet ganz phantastisch, Wiebke hat dazu noch Feldsalat mit Ingwer-Honig-Dressing und in Honig angebratenen Tofu (oder ist es "das Tofu"?) gemacht. Es war ein wahres Festfressen!!!!!! Danach hat uns die Abenteuerlust gepackt und wir haben einen Horrorfilm geschaut, allerdings nicht auf meinem Bett, sondern drüben im alten Haus... Zu diesem Anlass hatten die DB-Decken gleich ihren ersten Einsatz als Sitzunterlage. Der Film, Paranormal Activity, war etwas merkwürdig, aber naja... es war ein Erlebnis. Später haben wir noch Jungle Speed gespielt, und andauernd musste ICH mich mit Chris um das Holztotem kloppen!!! Und obwohl ich in 90 % der Fälle den besseren Griff hatte, hat er immer gewonnen.

Und nun sitze ich bei Chris auf der Couch und warte drauf, dass er vom Einkaufen zurück kommt, damit wir dann später mit seinen Nachbarn (und hoffentlich auch Wiebke, die grad Kopfschmerzen hat) pokern können. POKER, yeah :D

Oh, inzwischen sind meine Stiefel repariert!! In der rechten Sohle war lange ein Loch, das Christopher (Genf) und ich mehrmals zu reparieren versucht haben, aber nur erfolglos. Gestern habe ich die Stiefel zum Schuster gebracht und nun haben beide neue Sohlen und Absätze, die das restliche Material der Stiefel wahrscheinlich lange überleben werden. Und das alles für nur 20 €... In Genf hätte ich mich dumm und dämlich bezahlt.

Gleich noch etwas zu den hiesigen Preisen (hier spricht die Kapitalistin in mir). Es war ja abzusehen, aber dass es so einschneidend sein würde, hätte ich nicht erwartet. Vorgestern war ich bei Lidl und habe wahllos Dinge eingekauft; Bananen, Äpfel, Zahnbürsten. Und als ich dann mit vollen Armen an der Kasse stand und nur 5,34 € zahlen musste, fiel mir die Kinnlade bis zu den Knien und ein lautes "Wow" entfleuchte meinem offenen Mund.

Sonntag, 28. Februar 2010

Sleeperette vs. Couchette

(Die Worte könnten ja glatt von mir stammen.) Sleeperette, so nennen sich die Ruhesessel bei der Deutschen Bahn; Couchettes sind die ewig zu kurzen Liegen in den Liegewagen.

Gestern Abend war ich noch etwas beunruhigt, weil ich nicht wusste, ob ich ne Platzreservierung für den Nachtzug habe, aber anscheinend ist das obligatorisch. Und ich werde eine Sleeperette okkupieren (am Fenster!!!), die ungefähr so aussehen dürfte:

Eigentlich nur ein Sessel mit Hütchen...

Als ich damals zur Taufe meines Patenkindes Sebastian gefahren bin und durch einen Fehler der Deutschen Bahn mein Zug ausfiel (ich hatte Monate im Voraus gebucht, obwohl zu der Zeit schon bekannt war, dass genau DIESER Zug nicht fahren würde) und ich mit einem City Night Liner fahren durfte, sah der Ruhesessel allerdings etwas komfortabler aus, etwas massiver... Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, vielleicht saß ich wegen der Umstände in der 1. Klasse?

Mal sehen. Jetzt werde ich mich mal in einen präsentableren Zustand bringen, denn ich weiß nicht, wann Vronis Nachmieterin eintrifft.